Knatternde Zweitakt-Motoren, atemberaubende Sprünge und jede Menge gebrochene Knochen – willkommen in der Welt von Martin Schenk. Das FH-Magazin „punkt“ sprach mit Österreichs einzigem Freestyle-Motocrosser von internationalem Format.
Motocross-Fahrer werden mit Benzin im Blut geboren. Diese Binsenweisheit trifft auf Martin Schenk nicht zu. Erst im Zuge seiner Führerscheinausbildung vor knapp zehn Jahren saß der heute 29-Jährige zum ersten Mal auf einem Motorrad. „Da war es um mich geschehen, die Faszination Motocross hatte mich voll gepackt“, erklärt Schenk im Interview. Vor allem das Springen mit der Motocross-Maschine hatte es dem Grazer rasch angetan. So begann er zu einer Zeit, als Freestyle-Motocross (kurz: FMX) in Europa noch ein Schattendasein fristete, mit der anderswo schon längst populären Extremsportart. Sein Vater, ein Mediziner, war alles andere als glücklich mit der Entscheidung seines Sohnes. "Er hat mir immer die Bilder von Motorradunfällen aus dem Krankenhaus gezeigt. Mein erstes Motorrad habe ich mir ohne sein Wissen gekauft, als er es bemerkte, herrschte zwei Wochen abolute Funkstille zwischen uns", erzählt Schenk. Bis heute steht Schenk senior der Berufswahl seines Sohnes sehr kritsch gegenüber. "Er kommt so gut wie nie zusehen. Das letzte Mal, als er bei einer Show dabei war, bin ich natürlich schwer gestürzt. Er sagt, er hält das einfach nicht aus", führt der Mittlere von drei Brüdern weiter aus.

Wie ein typischer Leser der Bücher von Benimm-Papst Schäfer-Elmayer sieht Schenk nicht gerade aus. Foto: muph
Seine österreichischen Berufskollegen kann Schenk an einer Hand abzählen: „Es gibt vielleicht fünf Personen, die wie ich ihr Geld mit Shows verdienen. Warum es so wenige sind, das kann ich mir auch nicht richtig erklären. Vielleicht liegt es ja an der österreichischen Mentalität, so nach dem Motto: Alles muss sicher sein, nur kein Risiko eingehen.“ Dass es mit der Sicherheit der Athleten im Freestyle-Motocross nicht besonders gut steht, beweist ein Blick auf Schenks Verletzungsbilanz der letzten Jahre. Acht Knochenbrüche, sechs Operationen, beide Daumen luxiert, ein gerissenes Kreuzband und etliche Gehirnerschütterungen – den Ärzten der Grazer Krankenhäuser ist er längst kein Unbekannter mehr.
Dennoch wagte sich der Paradesportler vor fünf Jahren an einen Sprung, der in der FMX-Szene lange als unmöglich galt: den Backflip, einen Rückwärtssalto mit der Motocross-Maschine. Zunächst übte er auf einem Trampolin, dann mit dem BMX ins Wasser, später wagte er den Sprung mit einer Maschine in ein Foam-Pit (eine mit Schaumstoffwürfeln ausgefüllte Grube). Am 9. August 2004 war es dann soweit: Als erster und bis heute einziger Österreicher stand Schenk den Backflip auf seinem Trainingsgelände im steirischen Hartberg. „Der Busty Wolter (Deutschlands populärster FMX-er, Anm. d. Red.) ist den Sprung nur wenige Tage vor mir gestanden. Auch von den Tschechen, die mittlerweile in der europäischen FMX-Szene ganz vorne mitmischen, ist damals noch keiner einen Backflip gesprungen“, erzählt er voller Stolz.
Im Moment tastet sich der ledige Sportwissenschaftler (Diplomarbeitsthema - erraten: Freestyle-Motocross) wieder langsam an das Wettkampfgeschehen heran. Bei einer Show in Linz kam er im Jänner schwer zu Sturz, eine gebrochene Hand und Verletzungen an der Schulter sowie am Rücken machten ihm bis vor kurzem zu schaffen.
Hier der Beweis: Schenk beherrscht den "salto motorale". Foto: muph
In seiner Freizeit widmet sich Schenk vor allem seinen großen Leidenschaften Fotografieren und E-Gitarre spielen. Auf die Frage nach dem zuletzt gelesenen Buch weiß der hartgesottene Motocross-Fahrer mit seiner Antwort zu überraschen: „Als letztes habe ich die Benimmbibel von Thomas Schäfer-Elmayer gelesen. Es war zwar Seite für Seite eine furchtbare Qual, aber wer weiß, vielleicht hilft es mir ja einmal.“
Factbox Martin Schenk:
Geburtsdatum/-Ort: 19.03.1978, Graz
Wohnort: Graz
Hobbies: BMX, Snowboard, Fotografieren & Videos
Musik: Verzerrte Gittarren & Double Bass Drums
Bike: Schruf Yamaha YZ 250
Sponsoren: DVS, Oxatar Boots, Golden Tyre, MP Suspension, Samsung, Forty8 FMX web magazine;